Rockies II - Mitte Juni 2010

Es regnen, als wir in Banff, dem touristischen Herzen der Rockies, einfahren.

Um den Menschenmassen etwas zu entfliehen, übernachten wir außerhalb nahe dem Lake Minnewanka.

 

Unser Zelt bauen wir bei gnadenlosem Hagel auf. Das Wasser rinnt uns in den Kragen und die Hände sind steif.

Wir sind froh, daß wir eine Schutzhütte für uns alleine haben - weit und breit kein anderer Camper und es schüttet in einem fort. Hätten wir doch nur Holz, um ein Feuer machen zu können. Oder Branntwein, um uns innerlich zu wärmen...

Doch auch so lachen wir irgendwann und gewinnen der Situation, wie fast immer, etwas abenteuerlich-romnatisches ab.

Der Regen prasselt in einem fort lautstark auf´s Zelt und irgendwann nützt es nichts mehr, sich auf die andere Seite zu drehen, in der Hoffnung, daß man im Schlaf dem naß-kalten Schicksal entkommen kann.

 

Da es angeblich schon seit 14 Tagen in Banff regnet, beschließen wir spontan, unserer Wanderpläne zu streichen und unser Glück weiter im Süden zu versuchen.

 

Vom angeblich wunderschönen Kananaskis Country bekommen wir nichts mit.

Wir sind triefend naß und die Sicht ist mieß. Noch schlimmer wird es oberhalb von 2.000 Metern. Hier schneit es kräftig. Da die Visiere beschlagen, müssen wir sie hochklappen und den eiskalten Schneeregen im Gesicht ertragen. Später erfahren wir, daß wir den höchsten Paß Kanadas überquert haben und das dieser erst zwei Tage zuvor freigegeben worden war.

 

Wir sind froh, als wir abends endlich naß und durchgefrohren in Pincher Creek einrollen - einem Ort, in dem man normalerweise höchstens Vorräte kauft und dann schnell weiterfährt.

 

Der städtische Campingplatz lockt jedoch mit sehr günstiger Gebühr und vor allem einem kleinen trockenen Gemeinschaftsraum.

 

Der ist zwar zugig und ungeheizt, aber wir verbringen zwei witzige Abende mit Michel and Katrien, einem Belgischen Pärchen, das per Fahrrrad schon viel von der Welt gesehen hat.

 

Besoffene Indianer gehören leider auch zu denen, die dort Schutz suchen.

Wir nehmen es gelassen, auch wenn es teilweise ziemlich anstrengend ist.

 

Wir sitzen fest.

Es schüttet ohne Unterlaß und immer mehr Einheimische kommen vorbei, um sich den rasant ansteigenden ehemals kleinen Fluß anzuschauen. Was für sie ein interessantes Spektakel ist, macht uns große Sorge, da wir uns schon alle im Schlaf absaufen sehen.

 

 

 

Als am dritten Tag der Regen nachläßt, machen wir uns schnell zum Waterton Nationalpark auf.

 

 

 

Der ist zwar nicht so bekannt wie Jasper und Banff, aber dennoch ein Juwel!

Mal abgesehen, davon, daß es hier spannende Wanderwege en masse und reichlich tolle Landschaften gibt, hat der Park auch den Vorteil, daß er von viel weniger Touristen heimgesucht wird (es sind allerdings immer noch mehr als genug).

Was uns zudem besonders gut gefällt: der ganze Ort und der Campingplatz sind ein großer Streichelzoo: wirklich überall stehen Rehe und Berg-Ziegen. Unglaublich!

Die Erdmännchen zählen hier Legionen und ihr Gefiepse ist allgegenwärtig.

Alleine dafür lohnt sich der Besuch des Waterton NP.

 

Nach zwei halbwegs trockenen Tagen im Waterton NP kommt der Regen zurück und wir flüchten erneut: zuerst nach Norden und dann gen Westen. Ein landschaftliches Highlight folgt auf das nächste. British Columbia ist ein Traum!

Am 24.06. stehen wir am Pazifik.

 

55 Tage nachdem wir am Atlantik gestartet sind, haben wir unser erstes großes Etappenziel geschafft: wir haben das zweitgrößte Land der Welt von Ost nach West durchquert!

 

Unter anderem sind wir durch fünf Zeitzonen gekommen.

 

Die knapp 15.000 km, die wir bis hier hin gefahren sind, zeugen davon, daß wir manchen (schönen) Schlenker gemacht haben: Kanada ist mit 5.500 km übrigens kaum weniger breit als ganz Europa (Portugal bis Ural).