05.05. bis 12.05.2010: Nova Scotia (Neu-Schottland)

Unser Glück ist, daß die Camping Saison noch nicht angefangen hat und die meisten Plätze und Parks noch geschlossen haben.

Mit dem Motorrad kommt man jedoch gut an den Schranken vorbei und so haben wir die ganzen Campingplätze, samt wundervoller Aussicht für uns alleine und zudem umsonst - zwar ohne fließend Wasser, aber seit heute morgen auch mit ausdrücklicher Erlaubnis der Polizei.

 

Simon war gerade beim Zähneputzen, als zwei Sherrifs mit Hand am Colt auf sie zukamen und sie erstmal vor ihnen ausspucken mußte.
Es stellte sich heraus, daß ein eifriger Spaziergänger (Neighborhoodwatch wird hier an jeder Ecke als Tugend geprießen) einen unrasierten Typ mit Wollmütze durchs Gebüsch hatte schleichen sehen - Panny auf der Suche nach einem stillen Örtchen.
Aber als sich rausstellte, daß wir nur zwei harmlose, irre Deutsche sind, war alles in Ordnung.

Wir genießen die Fahrt an der Südküste Nova Scotias entlang der Lighthouse Route. Ein toller Ausblick jagt den nächsten. Links das Meer, rechts ein See nach dem anderen und manchmal auch umgekehrt. Die Küste hat hier so viele Buchten, daß man schon mal den Überblick verliert.

 

Von Digby´s Neck im Nordosten Nova Scotias setzen wir auf Long Island über.

Schön das wir keinen Zeitdruck mehr haben und zu Fuß die Insel erkunden können.

Einmal mehr sind wir froh, vor der Sassion hier zu sein: Balancing Rock, ein Touristen-Magnet, dessen Foto in keiner Urlaubssammlung fehlen darf, gehört alleine uns.

Dartmouth Point ist für uns das Highlight der Insel. Auch hier genießen wir einsam den tollen Anblick und die wilde Natur.

 

Auf Digby´s Neck campieren wir auf dem Whale Cove Campground. Den Betreiber hatten die Dame von der eigentlich noch gar nicht geöffneten Tourist-Information, als wir triefend naß vor ihr standen und nach einem bereits geöffneten Campingplatz fragten, als „very laid back“ bezeichnet. Keine Übertreibung. Der Mann ist ein Unikat. Nächsten Montag will er mit Frau und Wohnmobil für ein paar Wochen nach Neufundland. Der Campingplatz sammt aller Einrichtungen wie Videoraum und Mini-Museum, Gratis-Kaffee-Automat und WLAN bleiben in der Zeit offen. Gäste sollen sich selbst registrieren und das Geld in eine Box werfen. Und da er nie erfahre, ob jemand die Zeche geprellt habe, könne er sich auch nicht ärgern. Very laid back. Keine schlechte Lebenseinstellung.

Biker-Gastfreundschaft

 

Wir fahren entlang der Nordküste Nova Scotias (Bay of Fundy).

Bei Blomidon hat der Provincial Parks noch nicht geöffnet - mittlerweile keine Überraschung mehr. Diesmal gibt es jedoch leider keinen Weg an der Schranke vorbei.

 

Während wir noch über der Karte brüten, kommt ein einheimischer Motorradfahrer: ob wir ein Zelt hätten und einen Platz dafür bräuchten. Als wir bejaen, bedeutet er uns, ihm zu folgen. Wenige Minuten später stehen wir auf der Wiese hinter seinem Haus.

Besagte Wiese hat die bescheidenen Ausmaße von 800 mal 500 Metern, oder wie man das in deutschen (Reise-)Berichten immer gerne ausdrückt: sie ist so groß wie 60 Fußballfelder.

Sie endet an einer Steilklippe über dem Meer mit grandioser Aussicht.

Und genau hier dürfen wir campieren - so lange wir wollen und für lau.

Die Benutzung der zum Meer hin offenen Hütte samt Gasgrill ist in der gastfreundlichen Einladung inbegriffen. Wir können unser Glück noch gar nicht fassen, da ist Bill schon wieder davongefahren.

 

Liebe Leser: gerne hätten wir die Größe der Wiese wie (in Deutschland) üblich in Fußballfeldern ausgedrückt. Aber leider waren wir zu doof für die Umrechnung. Wer kann helfen?

Am nächsten Tag wollen wir eigentlich Cape Split erwandern. Die Gezeitenströmungen im Midas Becken sind hier extrem. An der Meerenge von Cape Split hat der Wasserfluß die selbe Kraft, wie die kombinierte Strömung aller Flüsse weltweit. Kaum vorstellbar!

Ob man es sehen kann?

Wir finden es leider nicht heraus, da unsere Wanderung dem schlechten Wetter zum Opfer fällt.

 

Statt dessen fahren wir zur Südküste zurück. Diesmal geht es oberhalb von Halifax gen Norden - immer mit dem Atlantik zur Rechten. Hier ist es einsamer als entlang des unteren Teiles.

Eisige starke Winde von der See her (Ausläufer eines Sturms über Zentral-Kanada, wie wir später erfahren) machen uns zu schaffen.

 

Wir sind froh, als wir abends einen geöffneten Campingplatz finden. Das wir wieder einmal die ersten Kunden für dieses Jahr sind, verwundert uns mittlerweile nicht mehr.

 

Am nächsten Morgen organisieren wir uns geräucherten Lachs in der örtlichen Fisch-Räucherei, den es später an einer wild-romantischen Stelle am Meer zum Frühstück gibt.

 

Die letzten Kilometer zu dieser tollen Stelle sind unbefestigte Piste. Endlich keinen Teer unter den Reifen zu haben ist symbolträchtig und macht großen Spaß.

Vor lauter Freude über den Dirt Track wird die erste etwas tiefere Pfütze für dieses Angeberfoto mißbraucht.

 

 

 

 

 

Über einen windigen Damm fahren wir nach Cape Breton, das damit genaugenommen keine Insel mehr ist.

 

Als wir durch die Tür des Tourist Information Centers stapfen, schauen 6 Augenpaare überrascht die unerwarteten Gäste an. Der schwatzende Pulk, der sich um den Bildschirm einer der Damen gebildet hatte, löst sich nach einer Schrecksekunde auf und alle Damen versuchen, geschäftig zu wirken.

Das wir hier VIEL zu früh dran sind, braucht uns nach dieser Szene keiner mehr zu sagen.

 

Carbot Trail

 

Heute steht der Carbot Trail auf dem Programm - eine der schönsten Strecken Kanadas. Darauf haben wir uns schon lange gefreut.

Der Wetterbericht dämpft jedoch unsere Vorfreude: auch dieser Tag soll wieder verregnet werden und die Temperaturen maximal 7 Grad erreichen. Für den darauffolgenden Tag stehen 4 Grad und Schnee-Regen an.

 

Waren wir im restlichen Nova Scotia noch bei „April“-Wetter unterwegs, so sind wir nun bei ungemütlicher Anfang-März-Witterung angekommen.

 

Trotz grauem Himmel und verdammt frischen Temperaturen macht der Carbot Trail Spaß. Als eine Kurve auf die nächste folgt, schleicht sich ein Lächeln in das zuvor noch vor Kälte angespannte Gesicht.

Wenige Minuten später wird es von einem anderen Gefühl abgelöst: wir haben mal wieder etwas gelernt: die Grenzen der Schräglagenfreiheit unserer Kräder wird nicht, wie bei anderen Motorrädern, durch Fußrastenschleifen angezeigt, sondern durch einen ruckartigen Versatz des Hecks, wenn die Koffer aufsetzen.

Nach dem Schreck muß Panny erstmal den Abschliff am Koffer begutachten. Simons abfälliger Kommentar: wegen so was hälst Du an?

Beim nächsten Halt kommt ein „Huiuiuiui“ aus Simons Mund und ihr Gesichtsausdruck zeigt, daß auch sie nun um diese Erfahrung reicher ist.

 

Zur Illustration der Schräglagen-Freiheit dieses halb-mutig nachgestellte Foto.

 

11. Mai / 200 m nN: Frühling“ auf Cape Breton - Schnee-Reste und weit und breit kein ergrünender Baum
Auf 400 Meter fahren wir durch schnee-kalte Luft

Wir nehme das Schild eher als Kuriosum, denn als echte Warnung auf.

Doch schon wenige Kilometer später steht tatsächlich ein lebender Elch am Straßenrand - unser erster, den wir in freier Natur sehen.

Gemütlich äßend betrachtet er uns während des Foto-Shootings. Auch wenn es kein allzu großes Exemplar ist, ist es dennoch ein beeindruckendes Erlebnis.

Auch die nachfolgenden Elch-Sichtungen entlang unserer Route nehmen wir noch als etwas ganz Besonderes wahr.

 

Auch den einen oder anderen See-Adler erspähen wir - Simon liegt diesbezüglich mit 4 zu 1 vorne.

 

Nur für die Wale, die um Nova Scotia von Frühjahr bis Herbst in großer Zahl auftreten, ist wohl noch immer zu früh - schade!

 

Um unsere Tier-Bilanz zu vervollständigen: auch Waschbären und Stachelschweine haben wir schon reichlich gesehen - leider jedoch nur als Opfer von Autos.