Kocher

Braucht man einen Kocher auf Motorradreisen?

 

Für manch einen ist ein Kocher eine sinnlose Sache. Um ehrlich zu sein: Wäre mit Simon keine kreative Feld-Köchin im Team, ich hätte keinen Kocher dabei, da er sammt Benzinflaschen bzw. Kartuschen und mit Töpfe und anderen Utensilien nicht gerade wenig Platz einnimmt.

Fakt ist jedoch: Durch selber kochen kann man extrem viel Geld sparen (vor allem in teuren Ländern wie Kanada, Alaska, Australien, usw.) und in manchen menschenleeren Regionen gibt es mangels Infrastruktur gar keine Alternative zur Selbstversorgung.

Nicht zu unterschätzen ist zudem der Romantikfaktor beim selber Kochen in freier Natur.

 

Der ideale Kocher

 

Die Frage nach dem idealen Kocher für Motorradreisende wird so vehement und kontrovers wie kaum eine andere diskutiert. Die Antwort hängt von den persönlichen Vorlieben, aber auch von der Reiseregion ab. So sind beispielsweise Kartuschen nicht überall erhältlich und simple Gaskartuschen-Kocher haben in großer Höhe und bei niedrigen Temperaturen erhebliche Nachteile. Aber auch dafür gibt es Lösungen durch anspruchsvollere Geräte.

 

Die meisten Motorradreisenden sind mit einem Benzinkocher unterwegs.

Auch wir hatten uns für die Weltumrundung für diese Bauweise entschieden, weil dieVorteile des Brennstoffs auf der Hand liegt: Benzin ist der Treibstoff des Motorrades und damit in der Welt des Krad-Vagabunden immer vorhanden. Und falls das Benzin dann doch mal ausgehen sollte, hat der Vorrat in der Kocher-Benzinflasche schon so manches mal für ein paar entscheidende extra Motorrad-Kilometer gereicht.

 

Wodurch unterscheiden sich die einzelnen Benzin-Kocher?

 

Die (Selbst-)Reinigungsfähigkeit, die Regulierbarkeit der Flamme, die Materialien der Bauteile (z.B. Plastik- vs. Metall-Pumpe), der Benzinverbrauch und die Lautstärke, die bei manchen enorm ist.

 

Nachfolgend unsere Erfahrungen mit drei verschiedenen MSR-Modellen

Unser erster Kocher, der MSR-XGK (XGK steht dabei übrigens für Expedition und suggeriert, daß das Teil unter extremen Bedingungen funktioniert) war bei uns schon nach wenigen Wochen hinüber. Klassischer Fehler: ich glaubte das Teil warten zu müssen und hab es aus technischem Interesse in seine Einzelteile zerlegt und dabei fix kaputt repariert. Trotz unbestrittenem Leichtsinn meinerseits spricht das nicht gerade für die EXPEDITIONS-Qualitäten des Kochers.

In der Mitte von Kanada war partout keine neue Pumpe aufzutreiben und daher der Neukauf eines (gebrauchten) Kochers der einzige Ausweg.

Ich habe im Rahmen dieser Geschichte UNZÄHLIGE Male an die goldene Weisheit "never tough a running system" gedacht...

Nr. 2 war der MSR Dragonfly, bei dem war im Gegensatz zu unserem ersten Kocher, dem MSRXGX die Benzin-Zufuhr und damit die Flamme dosierbar.

 

Bei unserem MSR Dragonfly reichte eine 0,6-Liter-Flasche für 10 bis 12 Mahlzeiten.

 

Der Einfachkeit halber haben wir immer noch eine zweite volle Reserve-Flasche dabei.

 

Die Öffnung der MSR-Flaschen ist übrigens groß genug, um sie an der Tankstelle direkt mit der Zapfpistole zu befüllen.

 

Gebrauch in großer Höhe:

Der Dragonfly liefert einwandfreie Leistung in großer Höhe (selbst auf deutlich über 4.000 Meter).

Nach nur einem Betriebsjahr hat der Dragonfly sein Leben ausgehaucht.

Zum zweiten mal mußten wir erkennen, daß es in vielen Regionen der Welt (diesmal in Peru und Nachbarländern) partout keine Ersatzteile für MSR-Kocher (oder irgendeine andere Marke) gibt.

Von Deutschland schicken lassen schied in unserem Fall aus diversen Gründen ebenfalls aus.

Da das verfügbarer Angebot in Peru (Cuzco) aus genau einem einzigen Benzinkocher bestand, sind wir nun mit genau dem unterwegs: dem MSR Wisperlight.



Damit haben wir nun alle drei MSR-Benzinkocher durch. Der WhisperLight ist leider nicht hinsichtlich Benzinzufuhr und Flamme dosierbar.

Im direkten Vergleich zum Dragonfly ist der Wisperlight aus unserer Sicht der deutlich schlechtere Kocher: daß er beim Vorheizen stark rußt, wäre noch zu verkraften, aber die mangelnde Dosierbarkeit ist ein wirkliches Handycap. Selbst bei minimaler Spritzufuhr ist die Flamme oft zu heiß zum kochen.

Dafür hat er sich bisher als der haltbarste erwiesen. Er hat die letzten beiden Weltumrundungsjahre durchgehalten und ist nach wie vor bei uns in Betrieb.

 

Hobo-Kocher als Alternative zum Benzinkocher?

In den letzten Jahren haben wir hin und wieder auf Treffen sogenannten Hobo-Kocher gesehen, denen wir anfangs sehr skeptisch gegenüberstanden. Aber am Ende siegte dann doch die Neugier.

Seit 2016 haben wir einen Künzi „Magic Flame Next Generation +“ in Betrieb.

 

Das Teil hat im zusammengefalteten Zustand  ein unschlagbares Packmaß von 11,5 x 15 x 1 cm, also bildlich gesprochen von einer flachen Hand.

Das ist VIEL weniger als ein Benzinkocher sammt (Ersatz-)Flasche beansprucht.

Das Edelstahlteil ist ruckzuck ausgeklappt und betriebsbereit – naja zumindest beinahe. Denn nun heißt es erstmal, Stöckchen sammeln, mit denen der Künzi befeuert wird.

Dank Kaminbauweise ist das Anzünden mit einem Stück Papier easy und was noch wichtiger ist: Er verbrennt durch eben diese Bauweise selbst triefend nasses Holz.

Vor- und Nachteile eines Hobo-Kochers

 

Vorteile:

  • Früher hab ich Simon beim Kochen eher pflichtbewußt und unmotiviert geholfen. Nun kann ich es gar nicht mehr erwarten, endlich Ästchen suchen gehen und den Ofen befeuern zu dürfen. Das Ritual macht richtig Spaß und trägt erheblich zum Abenteuer- und Romantikfeeling beim (wild) Zelten bei.

  • Preiswert im Betrieb, auch wenn der Effekt kein gravierender ist: Auf eine Mahlzeit pro Tag gerechnet spart man ein bis zwei Euro pro Woche gegenüber einem Benzinkocher

 

Nachteile:

  • Stöckchen und kleine Äste sind keineswegs überall zu finden. In trockenen, vegetationsarmen Regionen und auch auf ordentlichen Campingplätzen hat man ein Problem. Für solche Fälle muß man ggf. Ersatzbrennstoffe wie Esbit mitführen.

  • Töpfe verrußen stark, auch wenn man das angeblich durch Auftragen von Spüli auf die Topfunterseite mindern kann.

  • Vor allem bei nassem Holz raucht der Hobo-Kocher stark. Bei wechselnden Windrichtungen nervt das den Benutzer und auf Campingplätzen auch den Nachbarn. Aus dieser Schwäche wird in Extremfällen jedoch eine Stärke: In mückengeplagten Regionen haben wir den Rauch geliebt, da er die üblen Plagegeister fern hielt.

  • Im Vorzelt oder geschlossenen Räumen kann man den Kocher wegen der Rauchentwicklung nicht benutzen.

  • Die Brennleistung ist von vielen Faktoren abhängig. Oft ist sie einem Bezinkocher ebenbürtig, manchmal ist sie aber auch deutlich unterlegen.

Fazit Hobo-Kocher

 

Je nach Vorlieben dürfen die Pros oder Contras gravierend erscheinen. Dieser Kocher polarisiert: man liebt ihn oder man hasst ihn.

Für uns ist das ausschlaggebende Argument für den Künzi-Hobo-Kocher der Spaßfaktor. Das Teil macht richtig gute Laune und trägt kräftig zum Romantik- und Abenteuer-Gefühl bei.

Auf Campingplätzen und Motorradreisetreffen ist er zudem ein Hingucker und man kommt schnell mit Interessierten ins Gespräch.

 

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